Nichtzuknapp Gregory Porter!


Vom Footballcrack zum Jazzstar? Karrieren wie die des Musikers Gregory Porter sind selten. Mit seinem zweiten Album „Be Good“ unterstreicht der voluminöse Sänger mit der ebenso dicken Stimme nicht nur, dass er mehr Soul hat als Kanye’s Sample-Library, sondern liefert auch ein Album ab, das alle Voraussetzungen mitbringt, ein echter Welterfolg zu werden.

Große Stimmen großer Namen, gepresst auf schwarzen Scheiben: Im Wohnzimmer seiner Mum begegnet der junge Porter zum ersten Mal der Musik. Die Platten Nat King Cole’s nähren seine Leidenschaft für den Jazz. Song für Song singt er nach, Ton für Ton. Seine Mutter überrascht er eines Abends nach der Arbeit mit seiner erste Aufnahme auf Kassette. Die ist erstmal platt: Junge, du klingst wie King Cole!

Doch zunächst sind andere Dinge wichtiger. Der kräftige Porter schafft als hoffnungsvoller Footballspieler den Sprung ans College, an der San Diego State University ergattert der Linebacker ein Stipendium. Jedoch platzt der Traum, noch bevor er richtig begonnen hatte: Eine hartnäckige Schulterverletzung zerstört abprupt alle Pläne von Profisport und NFL.
Also alles auf Anfang: Porter streift durch die Jazz Clubs San Diegos. Hier tritt er immer öfter auf, findet zu seiner Musik, findet zu einer Stilistik, wie man sie lange nicht gehört hat – pure Jazzsongs aus eigener Hand, gesungen mit Transparenz und Leichtigkeit, durchschienen von der Gelassenheit der großen Vorbilder aus Kindertagen: Nat King Cole, Joe Williams, Donny Hathaway. Porters Stimme ist rund und warm wie ein Whiskeyfass. Ein Bariton, rau und kratzig an der Oberfläche und doch sonor und vibrierend in der Tiefe.

Porters Solodebüt „Water“ wird 2010 aus dem Stand für die Wahl des besten Vocal Jazz Albums der 53. Grammy Awards nominiert. Die New York Times jubelt: „Gregory Porter hat alles, was Sie von einem männlichen Jazzsänger erwarten, vielleicht sogar einige Dinge, die sie nicht erwartet haben.“

Und auch der Nachfolger, der diese Tage erscheint, hat das Potenzial zum großen Erfolg. Die Musik auf „Be Good“ lebt und atmet mehr denn je den Geist von Porters musikalischen Wurzeln: von Soul, Gospel und Blues, die ständig greifbar scheinen. Porter ist anders, als die, die im Jazz von heute erfolgreich sind; sein Jazz ist völlig anders, als der eines Jamie Cullum, einer Norah Jones oder Rebekka Bakken. Sowohl seinem Debut „Water“ als auch „Be Good“ fehlt die Nähe – und das Wort sei hier so neutral als möglich zu verstehen – zum Pop oder zum Genre der Singer/Songwriter. Seine Musik ist purer Jazz, durchtränkt mit Nuancen und Einflüssen aus 100 Jahr afroamerikanischer Musikgeschichte: mal elegant wie Nat King Cole oder Sammy Davis Jr., mal ist sie schwer, leidend und voller Blues, mal stark und stolz, treibend-kämpferisch wie auf seiner Debütsingle „1960 what?“. Große Musik, Nichtzuknapp hörenswert!

Lest die ganze Story! Hört das ganze Album hier!

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