Nichtzuknapp Michael Kiwanuka

Er ist quasi die neue Adele nur als Kerl und in schwarz. Ein Hype ist ausgebrochen um Michael Kiwanuka, den stillen 25-jährigen Sänger, dessen Musik sich so merkwürdig alt anhört. Er spielt vor ausverkauften Hallen und die BBC kürte ihn schon Anfang 2012 zum Newcomer des Jahres, obwohl sein Debütalbum „Home Again“ jetzt erst erscheint.

Mit seinen Soul Songs startet er so hart durch, dass manche Feuilletonisten sein Album als endgültigen Höhepunkt des „Vergangenheitskult“ im Pop einordnen. Vintage-Welle olé. Wir  wären also angelangt auf dem Zenit des Retro-Soul; ein Aufstieg des Alten, begonnen vor Jahren mit Amy Winehouse, vor ein paar Monaten noch erkennbar in den Bombardements von gefühlten 20 Facebook-Freunden, die Lana del Reys geleckt-stilisierte „Video Game“-Schnulze teilten.

Ein britischer Kritiker schrieb unlängst über Kiwanukas Debüt, dass alles, wirklich alles daran danach schreit, man solle es auf 33 rpm mit dem Plattenspieler abspielen. Der SPIEGEL stimmte ein: „Home Again“ sei tatsächlich „so dermaßen 1972, dass es geradezu absurd wäre, die Platte als Download zu erwerben oder als schnöde CD“. Egal wie dermaßen beschissen und klischeetiert sich solche Sätze anhören ist an der Sache schon etwas dran: An manchen Stellen hört sich das Album an wie eine verloren geglaubte Aufnahmesession von Bill Withers. Dazu passt das Cover in Gelb- und Brauntönen, mit dem nachdenklichen Portrait Kiwanukas mittig platziert. Dazu passt seine Stimme, die zwar warm ist und tief, aber auch kratzig. Eine auffallend ausdrucksstarke Stimme, warm, leicht kehlig.

Doch braucht die Welt einen weiteren Soulsänger? Im Fall Kiwanuka auf jeden Fall! Denn trotz des klaren Bezugsrahmens, in dem er sich bewegt, ist das Album kein Abklatsch. Es ist nicht der Versuch nur abzubilden, authentisch den Sound der 60er und 70er nachzuzeichnen.  „Home Again“ wird authentisch – und das ist durchaus bemerkenswert – durch die Nähe zum weißen Folk, etwa zu Bob Dylon. Geprägt ist der Sound durch den Geschmack des jungen Briten, der als Teenger nicht rappen, breaken und beatboxen wollte, sondern Nylonseite bevorzugte. Sein Musikgeschmack wurde zum Stigma, machte den Sohn ugandischer Einwanderer zum Außenseiter.

Gerade für einen jungen Schwarzen, war Bob Dylon einfach nicht die Art von Musik, die man gerade hörte. Oder auch Gitarrenmusik wie Nick Young oder Johnny Mitchell. Bei den Sachen, die wirklich angesagt waren habe ich einfach nicht wirklich dazu gehört. Ich habe einfach für mich behalten, welche Musik ich wirklich gut finde und sie trotzdem weiter gehört.

Das großartige Album wird dem jungen Mann dieses Jahr zum Durchbruch verhelfen. Nichtzuknapp hörenswert! Die ganze Story und das Album zum reinhören findet ihr hier.

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2 responses to “Nichtzuknapp Michael Kiwanuka”

  1. TEXT'N'TONES says :

    it is!

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